Titel: Die sakrale Quadratur des Kreises
Bauvorhaben Studie zum Neubau einer Klosteranlage mit Kirche
Ort: Tororo / Uganda
Bauherren: Missionsbenediktiner von St. Ottilien
Planungsjahr: 2018
Bauweise: Ziegelmauerwerk
Energetischer Standard: EH55
Nutzfläche: 144 m² (Kirche)
Das Kloster Tororo mit dem Namen „Christ the King“ ist das einzige Benediktinerkloster Ugandas. Es wurde 1984 gegründet und liegt im Osten Ugandas, unweit der Grenze nach Kenia. Das Kloster ist ein abhängiges Priorat und dem Abtpräses unterstellt. 24 Mönche gehören derzeit zum Kloster und dazu Novizen und Postulanten. Es verfügt über ein großes zusammenhängendes Grundstück. Im Kernbereich wurde 2012 ein erstes Gemeinschaftsgebäude errichtet, das den Anfang für die umfangreiche Klosteranlage bildet. In der Nähe befindet sich die frühere Anlage, die aus einzelnen Rundhäusern besteht. Diese wurden saniert und zu einem Tagungszentrum umgewandelt. Einige näher am jetzigen Kloster gelegene Häuser dienen der Unterbringung von Postulanten und Novizen. Zum Chorgebet kommen alle in der Hauskapelle zusammen. Eine eigene Klosterkirche fehlt bisher. Diese zu planen und den Masterplan für die Gesamtanlage zu vervollständigen war unsere Aufgabe.
Der Kirchengrundriss begann mit einem Experiment, der Quadratur des Kreises und steckte voller Zahlenmystik. Ein Quadrat mit einer Kantenlänge von 12*12 m (Apostel, Monate, Stämme Israels, Vollkommenheit) ergibt eine Fläche von 144 m² (=Engelszahl) wurde mit einem Kreis derselben Fläche überzeichnet. So entsteht ein symmetrischer Grundriss mit 4 Apsiden, die Altar, Eingang und Seitenflächen zur Belichtung des Raumes bilden. Was im Grundriss passiert, geschieht auch in der Höhe. Das Quadrat wird zu einem Quader halber Höhe, der Kreis zu einer Halbkugel. Die Wölbung der Halbkugel endet bei 45 Grad und setzt sich in entgegengesetzter Krümmung zur Kuppel als Laterne fort. Von innen betrachtet wirkt die Laterne wie eine mächtige lichtdurchflutete Königskrone – ein weiteres Symbol für „Christ the King“. Im Inneren akzentuiert eine fast gotisch anmutende tragende Struktur diese Formgebung. Obwohl dieser Raum strengen geometrischen Gesetzmäßigkeiten folgt, ist die Raumwirkung ganz erstaunlich: Der Raum strahlt eine große Kraft und Ruhe aus, der Besucher fühlt sich durch das Licht spirituell in die Höhe gehoben.
Die Gemeinschaft von Tororo hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stabilisiert und es treten viele junge Menschen ein. Im Jahr 2020 wurde das Kloster unabhängig. Die vielfältigen Kontakte nach Europa sowie die Unterstützung für Krankenhaus und Schulen werden dazu beitragen, dass das Kloster wachsen und gedeihen kann.
Sakrales, Sonderbauten